In unserem →ersten Beitrag haben wir dir gezeigt, welche Vorarbeiten zu machen sind, wenn du das Service deines Bocks selber in die Hand nehmen willst. Nun geht es ans Eingemachte und wie versprochen, möchten wir dich in diesem Beitrag bei den einzelnen Schritten des Motorradservice begleiten. Als Anschauungsobjekt erklären wir dir dies an einer Harley-Davidson Street Glide, wobei die Arbeiten bei anderen Motorradmodellen mit Sicherheit gleich oder zumindest so ähnlich sind…

Bück dich hoch

Unmittelbar nach dem Warmfahren deiner Süßen, solltest du deinen Bock entweder auf den Hauptständer, mit Hilfe eines Scherenhebers oder Montageständer in eine waagerechte Position bringen und mit Hilfe von Spanngurten gegen ein Umfallen absichern. Eine Hebebühne ist zwar nicht zwingend erforderlich, hat aber den großen Vorteil, dass du nicht in gebückter Haltung am Boden rutschend arbeiten musst. Jedoch Vorsicht bei vorhandenen Windschildern oder anderen Aufbauten an deinem Bock, solltest du eine niedrige Garage haben, musst du beim Hochfahren mit der Hebebühne auch oben aufpassen, denn ein Windschild ist schnell mal eingedrückt. Wir stellen unsere Böcke immer auf die Hebebühne, heben mit den Scherenheber den Bock an und sichern zusätzlich mit einem zugeschnittenen Pfosten (Dachbalken) und mindestens einem Spanngurt unsere Motorräder ab – da kann dann nichts rutschen und kippen. Wenn du keinen passenden Pfosten hast, kannst du es auch mit einer Bierkiste versuchen.

Wie fange ich an

So, wenn die Mopette sicher steht, kannst du mit dem Auslassen der Öle beginnen. Als erstes öffnest du die Nachfüllstutzen des Motor- und Getriebeöl, dies machen wir deshalb, damit Luft in die Ölwanne eindringen kann und damit wir im Anschluss nicht vergessen Öl nachzufüllen. Meist ist unter dem Motorrad so wenig Platz, dass die Ölauffangschüssel und dein Werkzeug nicht gleichzeitig darunter passen, in diesem Fall löst du die einzelnen Schrauben soweit, dass du sie ohne Werkzeug (mit der Hand) komplett ausschrauben kannst und lässt deinen Bock dann so richtig ausrinnen. Bitte beachte, dass das Öl heiß ist und verwende Arbeitshandschuhe (Verbrühungsgefahr!)

Während das Öl fließt

Während die Öle auslaufen, kannst du entweder ein Bierchen trinken oder du arbeitest die Service-Checkliste einen Punkt nach dem anderen ab. Beim Ölablassen kannst du dir nämlich Zeit lassen, dass dauert schon ein bisschen, bis da auch wirklich alles rausgelaufen ist. Wie bereits im ersten Beitrag erwähnt, sind bei jedem Motorradtyp spezielle Servicearbeiten durchzuführen, deine Betriebsanleitung oder der Mechaniker deines Vertrauens geben dir genaue Auskunft. Hier ist nochmal eine kleine Checkliste, die allgemein für alle Bikes gilt und die du, während die Flüssigkeiten aus deinem Motorrad entweichen, abhaken kannst:

  • Luftfilter kontrollieren (säubern oder eventuell austauschen)
  • Kühlflüssigkeitsstand prüfen oder wechseln
  • Zündkerzen kontrollieren, eventuell erneuern
  • sämtliche elektrischen Anlagen auf Funktion testen
  • Benzin- und Ölleitungen auf Scheuerstellen überprüfen
  • Bremsflüssigkeit kontrollieren eventuell nachfüllen oder wechseln
  • Bremsbeläge und Bremsscheiben überprüfen
  • Reifenprofil überprüfen
  • Felgen auf Risse oder Bruchschäden überprüfen, bei Speichenfelgen die Speichen austesten

Da war noch was

Wenn du diese Arbeiten allesamt erledigt hast, musst du noch den Ölfilter abschrauben! Nene, ihr Füchse, den haben wir nicht vergessen 😉 Den Ölfilter schrauben wir immer erst, dann ab, wenn die Mopette schon so gut wir leer gelaufen ist, denn wir brauchen die Auffangschüssel, denn beim Abschrauben des Filters kommt doch noch ein bisschen Öl raus. Wie auch schon erwähnt, ist ein passender Ölfilterschlüssel sicher von Vorteil, wenn nicht, tut es zur Not auch eine große Rohrzange, wobei du mit dieser sehr leicht abrutscht oder gar nicht an den Ölfilter rankommst.

Machs dir nicht so schwer

Da der Ölfilter – aus platzsparenden Gründen – oft an sehr schwer zugänglichen Stellen verbaut ist und von sehr viel anderen Teilen umgeben ist, passiert es leider, dass du beim Abschrauben des Ölfilters sehr viel Öl auf deinen Bock verteilst. Hierfür basteln wir uns ein Ölrutsche aus Karton und legen die unter den Ölfilter, damit das austretende Öl der Rutsche entlang laufen kann und direkt in das Auffanggefäß rinnt und so keine Ölkatastrophe an Motorblock, Schalthebel, Steuergerät, etc. hinterlässt. Achtung! Dein Motorrad ist jetzt total ölfrei, das bedeutet für dich, dass du auf keinen Fall den Motor starten solltest. Wie du das neue Öl wieder in deine geliebte Kiste rein füllen solltest und was da sonst noch zu beachten wäre, zeigen wir dir im →nächsten Beitrag…

keep the fire burning

Kai&Martina