Ende April, Anfang Mai ist das Wetter in unseren Breiten ja noch ein wenig instabil. Daher muss man kurzentschlossen sein und die schönen Tage ausnutzen. Gesagt getan. Die paar Jungs waren rasch verständigt, fast alle hatten Zeit und so waren wir zu viert und hatten uns Montag morgen um 8.30 zur Abfahrt vereinbart, da es am Sonntag noch regnerisch war und für Montag Besserung vorhergesagt war. Es war Montag morgen tatsächlich wunderschön. Was ich zumindest übersehen hatte, war die Temperaturvorhersage zu berücksichtigen. Aber dazu später.

Tourbesprechung

Kurzer Morgen Espresso im Motodrom, kurze Tourbesprechung. Alle sind einverstanden, mit dem Tagesziel, einen guten frischen Branzino in Zadar heute Abend zu speisen, so oder so! Auf gehts!
Die Route führt uns den mittlerweile ganz gut ausgebauten Loiblpass nach oben, Richtung Slowenien. Und hier drück ich erstmals auf die Info Temperatur-Taste meiner Street Glide. Ich habe zwar eine zweistellige Anzeige, aber klar durch ein Komma getrennt. Aus dem einstelligen Bereich sollten wir uns erst am Nachmittag, dann aber mit Blick aufs Meer, entfernen. Gottseidank hab ich die flexiblem Beinschilder in den Sturzbügel gespannt. Die haben mir schon viele gute Dienste erwiesen.

Nachdem wir bei der Abfahrt vereinbart hatten, den Slowenischen Wegelagerern keine Obolus in Form der Vignette zu gewähren, führte uns der Weg von Trziz in Richtung Flughafen, den wir dann östlich passierten, um weiter in Richtung Laibach zu fahren. Vor Laibach ging es dann Richtung Osten der Sava entlang, Richtung Krsko. Vom Loibl runter, um rasch an Laibach vorbei zu kommen, musst du fast die Autobahn nehmen. Alle anderen Straßen sind meistens verstopft. Aber Prinzip ist Prinzip.

Entlang der Sava bleiben wir erstmals auf einen Kaffee und zum Händewärmen stehen. Die Temperatur geht rauf, ist aber noch weit von sommerlich entfernt. Dafür ist der Himmel blau und die Sonne strahlt (trotzdem kalt).

Höre auf dein Gefühl

Bevor wir dann nach Krsko kommen, haben wir unbewusst doch ein mulmiges Gefühl und wir biegen Richtung Süden ab nach Novo Mesto. Eine kluge Entscheidung. Die Strasse führt uns durch die Weinberge und hat noch super lässige Kurven und einen sehr griffigen Asphalt für uns. Von Novo Mesto gehts dann südlich weiter Richtung Karlovac in Kroatien. Eine nicht mehr allzu stark befahrene Fernfahrer Strecke. Der eine oder andere Brummi kommt schon noch entgegen, aber die meisten fahren auf der Autobahn und somit hast du eine schöne breite Strecke vor dir.

Die Grenzkontrolle ist keine größere Verzögerung. Dann gilt´s aufpassen, denn hier bin ich schon mehrmals gefahren und jede Strasse von der Kroatischen Grenze bis zu unserem Zwischenziel Josipdol hat es in sich. Sie sind zwar alle auf der Karte als normale Strasse eingezeichnet. Du fährst aber überall immer mindestens 15 Km auf asphaltierten Feldwegen durch den Wald und bist dir eigentlich nicht sicher, wo du raus kommst. Es ist auch landschaftlich nicht wirklich berauschend, daher wäre hier ein Abstecher auf die Autobahn sicher sinnvoller. Aber wie gesagt, wir wollten unsere Kuna und Euros sinnvoller einsetzten. Zum Beispiel in Benzin, Café, Bier oder eben in frischen Branzino am Abend.

Mach mal Pause, aber mit Meerblick

Josipdol ist nicht wirklich sehenswert, aber wie man so schon sagt, von strategischer Bedeutung. Denn von hier hat die Strasse 23 wirklich ihren Reiz. Kein Verkehr, extrem breit, da kurz vor Fertigstellung der Autobahn erneuert und sie geht bergauf und bergab. Sie führt dann weiter Richtung Senj am Meer. Der Ausblick bei Senjska Draga auf das Meer samt den vorgelagerten Inseln verdient schon das Prädikat sehenswert. Dann noch ein paar Kurven runter und in Senj gibts dann Kaffee und Mittagssnack.
Die Temperatur ist mittlerweile auf über 20 Grad geklettert und vergessen sind die steifen Finger von heute morgen. Ein herrliches Gefühl am Meer mit ein paar Jungs zu sitzen, Kaffee zu schlürfen und das Leben im Anblick unserer Harleys zu geniesen.

Die Küstenstraße von Senj

Jetzt, ja jetzt kommt das Herzstück. Ich fahre es pro Jahr mindestens 2 Mal, nach Möglichkeit natürlich öfters, weils einfach so cool ist. Die Küstenstraße von Senj nach Süden und dann rein nach Zadar oder runter nach Biograd. Wenn wir mehr Zeit haben dann bis Split, Omiz und natürlich Dubrovnik.
Aber diesmal ist Zadar unser Ziel. Und so gleiten wir vier, Kurve um Kurve, die Steilküste zur Linken, das tiefblaue Meer zur Rechten, den Salzgeschmack in der Luft, Kilometer für Kilometer unserem Tagesziel entgegen. Ein paar Stopps werden kurz eingelegt, für Foto, Pipi oder einfach nur zum Durchatmen, zum Durchjauchzen!!

Gut 500 Kilometer waren es heute

Ein Hotel ist schnell und unkompliziert gefunden. Alle sind sehr gastfreundlich hier und wir lassen uns von den Einheimischen einen Tipp geben, wer zur Zeit den besten Fisch (Ribe) kocht.
Nicht zuviel versprochen. Der Branzino ist nicht nur üppig, sondern auch sensationel gut. Ein herrlicher Tag und das beste daran ist, dass es morgen genauso herrlich wird. Wir verabreden uns für morgen 8.00 zum Frühstück und um 9.00 gehts wieder los.

Zurück in die Heimat

Der erste Teil der Strecke ist derselbe wie gestern bis Senj, aber wie schon erwähnt ist der so senstionell, dass ich mir diese 100 km eigentlich als meinen täglichen Weg zur Arbeit wünschen würde! In eine Richtung, wohl gemerkt!

Ab Senj schlängeln wir uns der Küstenstraße weiter Richtung Rijeka. Vor Rijeka hauen wir unser Vorhaben („slawische Wegelagerer“ zu umgehen) über Board und fahren auf die neue Umfahrungsautobahn der Stadt. Jeder der diese Ecke kennt würde es sicher gleich machen. Aber um direkt den Weg nach Norden in die geliebte Heimat anzutreten, ist der Tag noch zu jung und so entscheiden wir uns auf einen Abstecher nach Italien, besser gesagt via Triest nach Duino, wo wir herrlich, direkt am Meer zu Mittag speisen. Man kann sagen was man will. Italienisches Flair ist durch nichts zu überbieten.

Gestärkt steigen wir in den Sattel und dann auf Richtung Görz und von dort auf der Slowenischen Seite des Soca Tal hinauf Richtung Heimat. Knapp 1100 km sind auf der Uhr, herrlich war es, obwohl wir ja eigentlich erst gestern los sind. Aber lieber kurze Ausflüge als gar keine!!!

You never ride alone!

Stefan

bikerscorner.cc