Wie im letzten Beitrag versprochen, werden wir dich im folgenden Beitrag bei deinem ersten selbst gemachten Bremsflüssigkeitswechsel begleiten. Wie kannst du ganz einfach bei deinem Motorrad die Bremsflüssigkeit wechseln, wie geht das mit dem Entlüften und auf was solltest du dabei noch unbedingt achten, damit du beim nächsten Bremsmanöver wieder kraftvoll zubeissen kannst und dein Motorrad nicht ungebremst abgeht, wie Schmidchens Katze mit brennenden Schweif…

Was brauche ich für Werkzeug?

Da du ja aus unseren vorangegangen Beiträgen über das Thema Bremsen bereits weist, welche Bremsflüssigkeit du deiner Süssen einverleiben musst, hast du dich bestimmt schon mit der richtigen Menge an Bremsflüssigkeit versorgt. An Werkzeug brauchst du dann unbedingt noch einen Exakt passenden →Sechskant-Ringschlüssel, den du ganz genau auf das Entlüftungsventil aufstecken kannst. Dieser sollte wirklich penibel genau passen, also bitte nimm keinen Zwölfkant-Ringschlüssel, keinen Gabelschlüssel und keine Zange (welcher Art auch immer). Solche unpassenden Werkzeuge drehen die Ecken des Sechskants am Entlüftungsventil rund und mit der Zange kann es dir passieren, dass du die zarten Entlüftungsventile komplett abreißt – na dann gute Nacht. Achtung, es können vorn und hinten verschieden große Schrauben angebaut sein.

Als weitere Utensilien brauchst du einen durchsichtigen Schlauch, der auch exakt auf das Entlüftungsventil drübergestülpt werden kann (luftdicht!), einen Auffangbehälter für die alte Bremsflüssigkeit, eventuell eine Einwegspritze und einen passenden Schraubendreher für die Vorratsbehälter. Wenn du die Bremsflüssigkeit wie ein Profi wechseln möchtest zumindest so komfortabel, brauchst du ein →Bremsen-Entlüftungsgerät und einen →Kompressor.

Bei der Vorderradbremse gehst du dann wie im folgenden beschrieben vor:

Als erstes befreist du den Bremsflüssigkeitsbehälter vom Deckel, der Stützplatte und der Membran
wickelst dann ein Tuch um den Vorratsbehälter, damit eventuell überschwappende Bremsflüssigkeit keine Chrom- Kunststoff- und Lackteilen deines Bock beschädigen können (aggressive Flüssigkeit). Die alte Flüssigkeit saugst du mit Hilfe der Einwegspritze oder dem Bremsen-Entlüftungsgerät ab und säuberst den Behälter innen, die Membran, die Stützscheibe und den Deckel mit einem sauberem Lappen.

Unsere Produktempfehlungen:

Nimm die Gummikappen von den Entlüftungsventilen an jedem Bremssattel ab und setzt den exakt passenden Sechskant-Ringschlüssel auf das Entlüftungsventil am Bremssattel auf.
Den durchsichtigen Schlauch stülpst du über das Ventil und sicherst diesen eventuell mit Kabelbinder. Das andere Ende des Schlauches steckst du in ein sauberes Gefäß, dass du mit etwas Bremsflüssigkeit füllst, damit das Schlauchende keine Luft ansaugt. Vergiss nicht! Der Schlauch muss satt auf dem Entlüftungsventil sitzen

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Dann kannst du frische Bremsflüssigkeit in den Vorratsbehälter geben und deckst den Vorratsbehälter mit einen Lappen ab damit beim Pumpen nichts herausspritzt – erspare dir die Mühe den Deckel wieder aufzuschrauben, da du noch öfter neue Bremsflüssigkeit nachfüllen musst.

Wie funktioniert das mit dem Durchspülen?

Nun gilt es für dich die alte Flüssigkeit aus deiner Bremsanlage zu bekommen. Beim Durchspülen betätigst du den Handbremshebel einige Male langsam (wirklich langsam, hier gilt in der Ruhe liegt die Kraft ;-), bis ein Widerstand spürbar ist. Den Hebel zwischendurch immer einige Sekunden in Ruhestellung lassen, damit Bremsflüssigkeit luftfrei nachlaufen kann.
Nach drei- bis viermaligen Pumpen ziehst du den Hebel bis zum Widerstandspunkt (das ist der Punkt, wenn du merkst das sich ein Druck aufbaut) und öffnest das
Entlüftungsventil eine Viertel- bis Drittelumdrehung, dann erst ziehst du den Hebel langsam ganz durch – dabei tritt die Bremsflüssigkeit in den Auffangbehälter aus, danach schließt du das Entlüftungsventil wieder. Erst wenn die Schraube wieder komplett verschlossen ist, lässt du den Bremshebel wieder los.

Diese Übung – den Hebel langsam und einige Male pumpen. Hebel in Druckposition halten, Ventil aufdrehen und schließen – wiederholst du solange, bis nur noch saubere Bremsflüssigkeit ohne Luftblasen austritt, pass aber auf, dass dir im Vorratsbehälter nicht die neue Bremsflüssigkeit ausgeht (immer über Minimum), sonst hast du wieder Luft in der Leitung. Tritt am Entlüftungsschlauch nur noch frische Bremsflüssigkeit ohne Luftblasen aus, den Bremshebel nochmals durchziehen, dabei das Ventil mit 2 Nm leicht anziehen. Danach den zweiten Bremssattel gleich wie den ersten beschrieben entlüften.

Was kommt nach dem Wechsel der Bremsflüssigkeit?

Die Entlüftung am hinteren Bremssattel kannst du eigentlich gleich durchführen wie an den vorderen Bremsen. Wenn du mit der ganzen Showse fertig bist solltest du unbedingt die Umgebung der Entlüftungsstellen mit viel warmem Wasser (ein Schuss Spülmittel kann auch nicht schaden) reinigen. Anschließend gibst du etwas Silikonfett auf das Entlüftungsventil und drückst die Gummikappe wieder auf die Ventile.

Am Ende musst du unbedingt den Flüssigkeitsstand erneut prüfen und ggf. bis zur Markierung auffüllen.

Soll nicht lieber ein Fachmann ran?

Grundsätzlich sollte man sich nur als geübter Schrauber an das Bremssystem des Motorrads heranwagen, da Fehler und ein eventuell späteres Bremsversagen weitreichende Konsequenzen haben könnten. Als geübter Schrauber kann man ohne weiteres die Bremsflüssigkeit an herkömmlichen Bremsanlagen wechseln. ABS-Bremsen, Integral- sowie servounterstützte Bremsanlagen sind weitaus komplexer und benötigen oftmals spezielle Befüll- und Entlüftungswerkzeuge, die in den meisten Fällen nur eine Fachwerkstatt besitzt…

keep the fire burning

Kai&Martina


 

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