Wer denkt schon beim Motorradfahren an die Bremsfüssigkeit? Wohl eher keiner, dass aber diese essentiell wichtige Flüssigkeit mit der Zeit altert und ihre Bremsenden Eigenschaften einbüßt, sollte dir als verantwortungsbewussten Mopettenfahrer klar sein. Damit du beim Bremsen auch weiterhin voll in die Eisen hauen kannst und dich deine Bremsanlage nicht im Stich lässt, möchten wir dir in diesem Beitrag ein bisschen Nachhilfe in Sachen Bremsflüssigkeit geben, vor allem die Frage, wie häufig die Bremsflüssigkeit zu wechseln ist, werden wir versuchen im folgenden zu beantworten…

Was ist Bremsflüssigkeit?

Bremsflüssigkeit ist nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen, irgendein „Bremsöl“, sondern es handelt sich um ein Mineralölprodukt aus synthetisch hergestellten Chemikalien. Hauptbestandteile dieser Hydraulikflüssigkeit sind Polyglykolesther, Polyglykole und auch häufig Silikone. An das Produkt werden hohe Anforderungen gestellt. Bremsflüssigkeit muss vor allem temperaturstabil und darf auf keinen Fall komprimierbar sein. Außerdem soll sie nicht aggressiv auf Gummi, Leichtmetall, Kupfer und Stahl wirken.

Wie funktioniert das Bremssystem?

In der Regel verfügen Motorräder über Bremsscheiben und den dazugehörigen Kolbenbremszylindern mit passenden Bremsbelägen. Beim betätigen des Bremshebels wird die Bremsflüssigkeit durch die Bremsleitung in die Bremssattel (Kolben) gedrückt, dabei werden die Bremskolben im Zylinder heraus geschoben und drücken die Bremsbeläge auf die Bremsscheibe, dadurch wird dein Motorrad abgebremst. Bei den Bremsmanövern können Temperaturen bis zu 300° Grad in der Bremsanlage entstehen. Deshalb sind die zwei oben erwähnten Haupteigenschaften (unkomprimierbar und temperaturstabil) sehr wichtig für deine Sicherheit beim Motorradfahren – Bremsen!

Wie kann ich den Bremsflüssigkeitstand kontrollieren?

Zum Kontrollieren des Bremsflüssigkeitsstandes muss der Lenker so gedreht werden, dass der Vorratsbehälter so waagerecht steht wie möglich. Der Bremsflüssigkeitsbehälter hat ein Auge wo du dann genau ablesen kannst, ob du schon Bremsflüssigkeit nachfüllen musst. Am Bremsflüssigkeits-Vorratsbehälter sind Markierungen angebracht – MAX steht für den maximal erlaubten Stand – MIN für den minimalen Stand.Bei manchen Behältern mit Auge ist oft nur der MIN-Stand angegeben, der MAX-Stand ergibt sich aus dem oberen Rand des Auges. Natürlich kannst du auch den Vorratsbehälter vorsichtig aufschrauben und den Flüssigkeitsstand überprüfen.

Warum muss ich Bremsflüssigkeit nachfüllen?

Durch den Verschleiss der Bremsbeläge (Bremsbeläge werden dünner) an deinem Bock müssen die Kolben im Bremszylinder weiter ausfahren, dies kann jedoch nur geschehen, wenn die Bremsflüssigkeit in der Bremsanlage nachfließt, somit verringert sich jedoch das Niveau im Bremsflüssigkeitsbehälter und muss auf das Maximum nachgefüllt werden. Dieses Niveauregelierung ist insofern sehr wichtig, damit keine unerwünschten Luftblasen in dein Bremssystem gelangen, da diese die „nichtkompressionsfähigkeit“ deiner Bremsflüssigkeit negativ beeinflussen.

Warum muss ich Bremsflüssigkeit wechseln?

Obwohl man eigentlich glauben müsste, das die Bremsflüssigkeit in einem abgeschlossenen System ist und somit keinen Einflüssen von Außen ausgesetzt ist sollte die Bremsflüssigkeit regelmäßig gewechselt werden. Booking.comBeim Bremsen erhitzt die Bremsflüssigkeit und bildet beim Abkühlen Kondenswasser, welches durch die hygroskopische Eigenschaft der Bremsflüssigkeit in deine Bremssystem gelangt. Durch diese Vermischung der Bremsflüssigkeit und des Wassers wird der Siedepunkt im Laufe der Zeit immer niedriger.

Beim Bremsen erhitzt dein Bremssystem, um so höher der Wasseranteil in deiner Bremsflüssigkeit ist, umso früher fängt die Bremsflüssigkeit zu sieden an. Beim Sieden entstehen Gasblasen, diese Blasen lassen sich leider komprimieren. Bei der nächsten Bremsung werden als erstes die Blasen zusammengedrückt. Erst wenn dies geschehen ist, steigt der Druck in den Leitungen merklich an. Aber da kann es dann sein, dass du schon am Ende der Fahnenstange angelangt ist. Durch die Gasbläschen hast du einen Puffer im System, der die aufgebrachte Kraft(Druck) nicht oder nicht voll auf die Bremszylinder weitergeben kann und du merklich an Bremskraft einbüßt.

Wie oft soll ich die Bremsflüssigkeit wechseln?

Vor allem bei Vielfahrern (mehr als 20.000 Kilometer im Jahr) und häufigen Fahrten in Berglandschaften (häufiges Bremsen) raten wir die Bremsflüssigkeit, unabhängig von der Siedetemperatur der Bremsflüssigkeit, jährlich zu wechseln.

In der Regel empfiehlt der Hersteller einen Wechselintervall von 2 Jahren – ist eine Empfehlung. Du kannst den Wasseranteil aber auch in der Werkstatt messen lassen. Bei der regelmäßigen Inspektion in einer Fachwerkstatt, wird diese deine Bremsflüssigkeit sowieso wechseln. Die Bremsflüssigkeit solltest du dann wechseln, wenn der Siedepunkt unter 200° Grad liegt, allerspätestens bei 180° Grad, dann wird es nämlich für dich recht gefährlich beim nächsten Bremsmanöver.

Wie du die Bremsflüssigkeit bei deinem Motorrad selbst nachfüllen kannst und auf was du dabei achten solltest, zeigen wir dir im nächsten Beitrag…

keep the fire burning

Kai&Martina

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